Die $ 1 Billion Lösung
15.3.08
Die Geldmenge, hier ausgedrückt als M2, stieg in den vergangenen 2 Monaten um $200 Mrd. bzw. 22% annualisiert. M 2 besteht aus Bargeld plus Giro-, Sparkonten, privaten Geldmarktkonten und Festgeldeinlagen. M 2 stellt somit den liquiden Teil des Finanzsystems dar. Eine ähnliche Geldmenge MZM (money zero maturity) mit Orientierung zur institutionellen Seite besteht aus M2 minus privaten Festgeldern plus institutionellen Festgeld- und Geldmarktkonten. Auch MZM zeigt Wachstum im zweistelligen Bereich. Dieser allgemeine Liquiditätsanstieg wurde von Spargeldkonten (man höre und staune) angeführt. Sparkonten sind wichtig für das Bankensystem, da Sie die Kapazität der Banken erhöhen, Kredite abschreiben oder neue Kredite vergeben zu können. Jeder Dollar, der auf einer Bank deponiert wird, ermöglicht der Bank eine Kreditvergabe in Höhe von $0,90. Die restlichen 10% verbleiben als Reserve in der Bank. Wenn die Federal Reserve das Wettrennen von Inflation (Provisionierung flüssiger Mittel durch Geldmengenwachstum) gegen Deflation (faule Schulden werden gehalten, mit Verlust verkauft oder abgeschrieben) gewinnen will, dann ist sie gezwungen am augenblicklichen Kurs festzuhalten. Zinsen müssen weiter gesenkt werden und das System mit Liquidität versorgt werden. Die Lage des amerikanischen Finanzsystems erinnert mich mehr und mehr an die deflationäre Spirale in Japan nach dem Platzen der Immobilienblase 1989. Bernanke�s Rede von 2002 erscheint in diesem Kontext immer prophetischer. (schauerlich, ironisch) benutzen Sie Ihr eigenes Adverb. Japan leidet heute noch, zwanzig Jahre später unter den Folgen dieser deflationären Spirale. Wenn ich zu wählen hätte, dann würde ich in jedem Falle die Inflation der Deflation vorziehen. Wenn Bernanke das System weiterhin mit Liquidität versorgt, dann hat die amerikanische Wirtschaft eine reale Chance, das folgende Jahr einigermassen heile zu überstehen. Die Zeit drängt jedoch. Von Vorteil ist, dass die Inflationszahlen vom Freitag gutmütig waren. Der Verbraucherpreisindex (CPI) verlangsamte sein jährliches Wachstum von 4,4% im Januar auf 4,1% im Februar. Der Kernindex fiel ebenfalls von 2,47% auf 2,28%. Die Zahlen wurden natürlich allseits kritisiert und als unzuverlässig bzw. als manipuliert verunglimpft. Tatsache ist jedoch, dass die Federal Reserve diese Zahlen, welche in ihrer heutigen (angeblich bankrotten) Form ja nun bereits seit dem Jahre 1980 die Inflation zu messen suchen, als Feigenblatt benötigt, um den gegenwärtigen Kurs beibehalten zu können. Das Haus steht in Flammen und Bernanke hat nicht den Luxus, sich über mögliche Wasserschäden (Inflation) den Kopf zerbrechen zu können. Ohne Wasser gibt es bald überhaupt kein Gebäude mehr. Wir können natürlich beklagen, dass die Kur schlimmer ist als die Krankheit; eine ernstzunehmende Alternative gibt es jedoch nicht. Man wird sich halt arrangieren müssen. Die Federal Reserve Board misst diese Standards in einer vierteljährlichen Umfrage mit dem Titel "Senior Loan Officer Opinion Survey". Bei der Lektüre dieser Umfrage wird ziemlich schnell klar, dass Kredit-Standards genau dann den Boden erreichten, als Eigenheimpreise im Jahre 2005 den Gipfel erklommen. Ich fasse zusammen: Das Finanzsystem wird bereits seit Monaten mit Liquidität versorgt. Wenn die Geschwindigkeit beibehalten wird, dann sollten sich messbare Erfolge im 4. Quartal einstellen. Wenn Erfolge im 4. Quartal messbar sein werden, dann sollten Aktien diesen Umstand ziemlich bald (sprich in dieser Woche) diskontieren. Wir haben eine Art Boden erreicht. Bullen sind alle ausgemerzt, Vertrauen in die Zukunft ist zerstört. "I've been down so god damn long that it looks like up to me." Hermann Vohs
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